Elena Shebotinova
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Mit der Diskriminierung in der Arztpraxis – muss es so sein?
Am Freitag 25.06.2021 überraschte mich ein Arzt hier in der urologischen Praxis: „Das (die Corona-Schutzimpfung) ist nur für die Menschen mit der deutschen Staatsangehörigkeit“. Das ist natürlich nicht wahr. Nach den Angaben des Bundeslands ist eine Corona-Schutzimpfung für alle verfügbar, die in Deutschland angemeldet sind. Vom Patientenservice 116117 des NRWs erhält man die gleiche Information. Aber wahrscheinlich blendete diesem Arzt seine Vorurteile bezüglich der Ausländer die Ansicht „seines“ Landes irgendwie ab, wenn er diese übersehen hatte. Ansonsten weiß ich nicht, was die Staatsangehörigkeit damit zu tun hat.
Zum Schluss schmiss er mir sogar, nachdem ich darauf hingewiesen hatte, dass für das Bundesland die Staatsangehörigkeit keinen Unterschied hier macht: “Lassen Sie sich in ihrem Land impfen“. Jedoch wurde es nicht erklärt: in welchem Land genau? In Russland, wo ich geboren bin? Oder in Israel, woraus meine Familie stammt? Es ist sehr bedauerlich zu sehen, dass heute, wann schon so viel gegen Diskriminierung getan wurde, ist ein diskriminierender Ausdruck trotz allem für jemanden ein Teil des Alltags. Insbesondere wenn es um eine Arztpraxis geht, wo du nicht erwarten möchtest, dass ein Arzt wegen seiner Vorstellungen die Menschen mit einem Migrationshintergrund (egal, wie ausgebildet dieser Patient ist oder welchen Beitrag er zu seinem neuen Heimatland leistet) so behandelt, als ob er noch herzlichen Dank sagen sollte, dass er überhaupt in die Praxis rein eintreten darf.
Vermutlich hat der konkrete Arzt in der konkreten Praxis die eigenen Vorstellungen, wer zu „seinem“ Land gehört und daher mehr Rechte da hat. Das ist sehr traurig, aber es gibt schon die Auswahl. Infolgedessen sollten die Menschen mit einem Migrationshintergrund (aber auch alle, die solche Sachen einfach nicht fördern möchten) besser eine andere Praxis wählen. Zum Glück bilden die Ärzte, die die Diskriminierung zwischen den Behandlungen ausüben, eigentlich eine Minderheit in Deutschland.
Verstehen Sie mich bitte richtig, ich mache keinen Vorwurf, dass ich keine Impfung erhalten hatte. Heute ließ ich mich schon in dem Impfzentrum in Hürth ruhig impfen, wo meine Staatsangehörigkeit keinen interessiert hat. Nach dieser Situation habe ich ein bisschen recherchier, um den Unterschied zwischen dem „Impfen in einem Impfzentrum“ und dem „Impfen in einer Arztpraxis“ zu begreifen. Wie ich das jetzt sehe, liegt dies daran, dass die Ärzte die Kosten erst bei den Krankenkassen abrechnen (zudem auch für ihre „Leistungen“) und nur dann das Bundesland die Kosten für diese Impfungen kompensiert. Der Arzt machte sich vermutlich daher Sorgen, dass meine Versicherung keine Schutzimpfung abdecken könne. Das kann wirklich sein, ich bin mir auch nicht sicher; jedoch war diese Nuance für mich in dem Moment unbekannt. Im Fall eines Impfzentrums fehlt aber der Knoten „Krankenkasse“ überhaupt: Die Impfzentren sind mit dem Bundesland unmittelbar verbunden. Das ist vielleicht mein Fehler, dass ich mich in diesem Thema nicht so gut kenne, das kann ich verstehen. Jedoch ist nicht mein Fehler, dass ich aus einem anderen Land stamme, wo ich mich nach irgendwelcher Meinung besser „impfen lassen soll“. Das ist genau der Punkt. Ich hätte eine neutrale Erklärung erwartet, ohne gezwungen zu sein, sich so zu fühlen, dass ich in diesem Land ein ungebetener Gast bin.
Ich denke, wir sind uns alle einig darin, dass Deutschland ein Land vieler Kulturen ist. Gemäß dem Statistischen Bundesamts hat in Deutschland fast jede vierte Person einen Migrationshintergrund. Bezogen auf die Bundesländer leben die meisten Personen mit Migrationshintergrund in Nordrhein-Westfalen (2019: 25,6 Prozent). Die Ausländer bilden nahezu die Hälfte dieser Gruppe.
Ich hoffe nur, dass irgendwelche Schlüsse aus diesem Kommentar gezogen werden werden. Ich möchte nichts anderes als nur wissen, dass möglichst weniger Menschen die gleiche Erfahrung wie ich erleben werden. In dieser Praxis oder überhaupt – in ihren neuen Heimatländern.
Vielen Dank.